Guten Morgen aus Karl-Marx-Stadt II, den Älteren unter uns noch bekannt unter seinem früheren Namen: Berlin. Die Hauptstadt ist im Ausnahmezustand. Wir nennen das hier “Freitag”.
In dieseser Woche geht’s um: Russlands Super-App Max, Metas quatschige Herangehensweise an politische Werbung, Tradfishing, Pummelbären und gedruckte Bücher.
Themen der Woche
Russlands Überwachungsapp

Russlands nationale Super-App für alles, Max, hat in diesem Jahr seinen ersten Geburtstag gefeiert. Mit “alles” ist hier in erster Linie Überwachung gemeint. Max ist eine Sammlung mehrerer Mini-Apps und kommt als Messenger zum Einsatz, als Bezahldienst und für Papierkram und wird der Bevölkerung zunehmend aufgezwungen.
Die App muss seit letztem Jahr auf neuen Smartphones, Tablets, Computern und Smart-TVs, die in Russland verkauft werden, vorinstalliert sein. In einigen Berufen ist die Installation Pflicht. Max dient an einigen Schulen zur Organisationen von Hausaufgaben, an einer Uni als Türöffner für Gebäude und Wohnheime.
Vor einigen Tagen haben Forschende eine forensische Untersuchung der App veröffentlicht, die sie als Blaupause für den Weg in den digitalen Autoritarismus bezeichnen. Demnach kann die App heimlich Screenshots erzeugen, auf alle möglichen Informationen zugreifen und sich als ihre User ausgeben. Außerdem könne Russland die App theoretisch auch für Cyberangriffe einsetzen.
Promoaktionen für Max gingen letztes Jahr praktischerweise mit der Einschränkung der Nutzung von Messengern wie Telegram und Whatsapp durch Russlands Zensurbehörde Roskomnadsor einher. Ungeachtet dessen nutzen in Russland lebende Kriegspropagandisten wie Alina Lipp Telegram nach wie vor für ihre Zwecke.
Hinter Max steckt VKontakte (VK), hierzulande auch als “russisches Facebook” bekannt und beliebt bei Neonazis, die ihre Hakenkreuzdeko präsentieren oder in Deutschland indizierte Musik hören wollen. Wobei beides inzwischen auch auf X geht. Wladimir Putin soll über Umwege Anteile an VK besitzen.
Wer hat Angst vor Virginia Woolf?
Meta, offenbar. Wobei ich nicht die erste bin, die diesen Witz macht und Angst auch irgendwie der falsche Begriff ist. Das Teatre Raval in Barcelona wollte seine Adaption eines feministischen Essays von Virginia Woolf bewerben, scheiterte allerdings an Metas Werberegeln.
Die Anzeige, die auf Facebook und Instagram veröffentlicht werden sollte, wurde automatisch abgelehnt. Grund: In der EU ist Werbung zu politischen und sozialen Themen bei Meta nicht möglich, weil Zuckerberg neuen Transparenzregeln für politische Werbung in der EU nicht folgen wollte.
Inzwischen ist die Anzeige zwar online, das Problem bleibt aber. Die Interpretation dessen, was “politische” oder “soziale” Themen sind, erfolgt einigermaßen willkürlich. Ich hatte vergangene Woche Werbung für ein Kokstaxi im Feed. Immerhin nicht politisch.
Gutes Internet, schlechtes Internet
Hacker Tracker
Auch in dieser Woche gab es einigen Cyber, der für Aufsehen gesorgt hat. Ein KI-Agent von OpenAI soll unautorisiert Zugriff auf Gesundheitsdaten in Australien erlangt haben. Dass der Vorgang dem Unternehmen schon im Juni bekannt war, die australische Regierung aber erst im September informiert wurde, zeigt recht gut, dass Selbstregulierung von Big Tech nicht funktionieren wird (und auch noch nie funktioniert hat). Außerdem gab es offenbar einen Angriff (€) auf das FBI, bei dem reichlich Daten von Mitarbeitenden abgeflossen sind.
The kids will stay online
Was machen Kinder, die zu jung für Social Media sind? Entweder sie melden sich trotzdem an oder sie tauchen in der Kommentarspalte von Podcasts auf Spotify auf. Brauchte diese App eine Kommentarspalte? Absolut nicht. Ist das jetzt trotzdem ein digitaler Raum, an dem sich die Kids austauschen? Jup. Mehr dazu bei This American Life (Podcast-Episode, kurzes Video bei Instagram, Youtube oder Bluesky)
Kreisrund
Für ein bisschen mehr Frustration im Leben könnt ihr hier versuchen, einen perfekten Kreis zu zeichnen.
“Looksmaxxer” wegen Vergewaltigung angeklagt
Braden Peters, der als “Clavicular” jungen Männern erzählt, sie sollten sich mit einem Hammer hauen, damit ihre Gesichtskonturen “schöner” werden, wurde in den USA wegen verschiedenen Vergehen angeklagt.
Napster ist zurück. Aber langweilig.
Napster macht jetzt in KI und will mit Lehrer-KI-Klonen in den Vereinigten Arabischen Emiraten erfolgreich werden.
Trump benennt Sachen
Twix heißt zwar bisher weder Trump Bar noch America Bar, aber dafür soll KI jetzt “super intelligence” heißen, hat Trump vor den Vereinten Nationen gefordert. Das US-Außenministerium hat laut Associated Press ernsthaft eine entsprechende Anweisung an seine Leute herausgegeben.
Nachbarschaftsbüchertausch
Auf Book Corners sind mehr als 37.000 Nachbarschaftsbüchereien verzeichnet, darunter auch mehr als 5.000 in Deutschland.
Tradfishing
Das FBI warnt vor Tradwife-Fakeprofilen auf Datingplattformen, die auf ICE-Agenten abzielen.
Niusphishing
Eine Mail-Adresse von Julian Reichelts Propagandaplattform Nius wurde zum Versenden von Phishing-Emails wegen eines vermeintlichen “Projektvorschlags” genutzt. Der Angriff soll bei Abgeordneten verschiedener Parteien in Bundestag und Landtagen erfolgreich gewesen sein und ich frage mich: WARUM?
Tier der Woche
Happy Fat Bear Week, denen die feiern. Nach der Fat Marmot Week sind jetzt die Bären in Alaska an der Reihe. Auch die müssen sich auf ihren Winterschlaf vorbereiten und entsprechend viel schnabulieren. Das ist keine gute Nachricht für die lokale Lachspopulation. Der diesjährige Favorit trägt den Namen Chunk. Genau. Mehr Bären-Content gibt’s auf der Website zum Contest und auf Youtube.
Vielleicht ist aus diesem Fokus auf Tiere, die sich in Vorbereitung auf den Winter pummelig mampfen mein erhöhter Bedarf nach ein paar freien Tagen abzulesen.
Auf Platz zwei folgt in dieser Woche ein Greifvogel, der offensichtlich großer Fan von Takeshi’s Castle (Instagram). Nach hitzigen Diskussionen mit dem Kreativteam (“Boah ne, kann ich nicht. Außerdem sind fette Bären viel cooler.”), ob eine lebensnahe Darstellung wirklich möglich ist, habe ich mich gegen eine bildliche Darstellung entschieden. Ein (sehr lebensechter) Bär war hingegen gar kein Problem.

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