Hallo und guten Tag. Wieder liegt eine Woche Internet hinter uns. Wieder war mehr los, als dieser Newsletter umfassen könnte. Es geht um Männer, die Gewalt per Roboter verüben, um den britischen Premier und dessen Einlassungen zu Russlands Rolle beim Brexit und um Kühlschränke. Exakt.
Diese Woche habe ich außerdem viel über einen Ausschnitt (Instagram) aus einem lesenswerten Interview der BBC mit Signal-Chefin Meredith Whitaker nachgedacht. Im Interview soll sie einige Social-Media-gerechte Fragen beantworten, bei denen ihr zwei Optionen genannt werden, die beide schlecht oder unterkomplex sind (Ein KI-Tool mit all ihren Passwörtern oder ein Bär im Wald? AI Doom – Hype oder real?). Whitaker hat sehr offensichtlich keine Lust darauf. Mehrfach sagt sie, dass sie passen möchte. Sie flucht — damit kann ich viel anfangen. Als die interviewende Journalistin schließlich sagt, Whitaker sorge dafür dass sie ihre Arbeit als Journalistin hinterfrage, erwidert diese schließlich:
Don’t, don’t, don’t. Question why we are mediated by 7 platforms, largely jurisdictioned in the US, that have made us supplicate to a format that degrades the integrity of our expertise. Question that, babies.
Ich finde, wir könnten mehr darüber reden, wie sehr Algorithmen große Teile der Öffentlichkeit längst dressiert haben. Es ist das Eine, sich daran zu orientieren, was Menschen lesen, sehen oder hören wollen. Welche Themen, welche Perspektiven sie sich wünschen. Etwas völlig anderes ist es, jedem tatsächlichen oder erdachten “Wunsch” des Algorithmus zu folgen, in der Hoffnung, dafür mit ein paar mehr Klicks belohnt zu werden.

In diesem Sinne: Nicht alles muss knackig-zugespitzer Social-Video-Content im Fünf-Sekunden-Format sein. Machen wir also weiter.
Thema der Woche: Übergriff per Roboter
Auf viele neue Technologien trifft Folgendes zu: Theoretisch könnten sie für ganz sinnvolle Dinge genutzt werden. Praktisch werden sie dann auch zum Werkzeug für Übergriffe auf Frauen. Wir hatten das bei Smart Trackern. Dann Smart Glasses. Und nun: Roboter.
In Köln gab es diese Woche so einen Fall. Ein 16-Jähriger ist mit seinem Roboter (Kostenpunkt rund 5000 US-Dollar) durch die Stadt getourt. Dabei soll das Gerät eine Gleichaltrige gegen ihren Willen berührt und belästigt haben. Die Polizei ermittelt.
Der Besitzer behauptet, sein Roboter sei nur gegen das Mädchen gelaufen. Mehrere Ausschnitte aus der — natürlich — live gestreamten Aktion zeigen aber auch, dass der Roboter immer wieder auch jungen Frauen und Mädchen gegenüber Masturbationsbewegungen macht.
Gutes Internet, schlechtes Internet
BAUSTELLEN-GIFS!
GifCities ist eine Sammlung von vintage GIFs aus vergangenen Zeiten. Alles blinkt, alles dreht sich. Es ist wunderschön.

Unsichere Kühlschränke 🙁
BSI-Chefin Claudia Plattner hat in dieser Woche dazu aufgerufen, für die Sicherheit von Kühlschränken im Internet zu sorgen — oder so ähnlich: In Frankreich hat ein Angriff auf vernetzte Kühlsysteme in Hunderten Supermärkten für einen großen Ausfall, massenhaft auftauende Lebensmittel und einige kleinere Feuer gesorgt. Dazu die oberste Cybersicherheitschefin der Bundesrepublik: „Die Vorfälle in Frankreich zeigen deutlich, wie Cyberangriffe unseren Alltag beeinflussen und stören können. Dieser Angriff hätte jedes Land treffen können und kann auch jetzt jederzeit Nachahmer finden. Derartige Einfallstore laden regelrecht zu Sabotage ein. Wir fordern die Betreiber solcher Anlagen eindringlich auf, ihre Systeme sicher zu betreiben!” Plattners Bundesamt hat dazu eine eilige “Cybersicherheitsempfehlung” herausgegeben, die sich aber nicht nur an Supermärkte richtet. Denn solche Angriffe, warnt das BSI, könnten auch Stromerzeuger treffen. Die gute Nachricht: “Die Sicherheitsmaßnahmen liegen auf der Hand und sind unkompliziert umzusetzen.“ Man muss es halt nur machen.
Character.AI insolvent
Chatbot-Anbieter Character.AI ist pleite. Das Unternehmen hat nicht nur reichlich Geld verbrannt —allein 10 Millionen US-Dollar pro Monat für Rechenleistung — ohne auch nur in Sichtweite schwarzer Zahlen zu kommen. In den USA gab es einige Klagen. Dabei ging es um Fälle von Selbstverletzung und Suizid. Außerdem sollen Chatbots des Unternehmen Antworten generiert haben, in denen sie als Menschen, zudem als ausgebildete Ärzte auftraten.
Hinrichtungs-Livestream abgesagt
Diese Woche begann damit, dass Experten Eltern aufforderten, ihre Kinder auf den Livestream einer Hinrichtung in den USA vorzubereiten. Dann ging es weiter, mit Plattformen (außer Tiktok und Kick), die sich um Antworten auf die Frage, ob sie den Livestream einer Hinrichtung erlauben würden, drückten. Mittlerweile hat Trump den Livestream abgesagt.
Glitter und Gold für Donald Trumps Ballroom
Die Washington Post hat neue Informationen zu den Geldgebern für Donald Trumps höchstwahrscheinlich unansehnlichen Ballsaal veröffentlicht. Darunter sind auch Nvidia und Apple, die jeweils 25 Millionen US-Dollar beigesteuert haben.
Neues aus dem Sloppiverse
Trump und Tiger
Nein, von Donald Trump ist kein Anstand zu erwarten. Und auch sonst nicht viel Gutes. Und trotzdem kann und darf die alltägliche Grausamkeit keine Normalität sein. Diese Woche hat er ein KI-Video verbreitet, das ihn mit einem Tiger raufend zeigt. Die Szenen ähneln optisch denen, die den Tod eines jungen Mannes in einem englischen Tierpark vor einigen Tagen zeigen. Auch dieses Video hat Trump verbreitet. Selbstverständlich verlinke ich nichts davon, dafür aber einen Bericht des Guardian, in dem auch die Familie des Getöteten zu Wort kommt.
KI-Schrott-Bücher
Cam Wilson berichtet für die australische ABC über KI. Amazon verkauft ein KI-Schrott-Buch mit dem Titel “Conspiracy Nation Exercises: Redefine Living Through Cam Wilson Teachings”. Wilson hat sich das Buch — 89 Seiten, großer Zeilenabstand, Comic Sans — bestellt und ist auf falsche Zitate und reichlich Nonsens gestoßen.
Tier der Woche
Das Tier der Woche wurde rund 40 Jahre im Keller vergessen. Die Riesenassel — der Name ist Programm, die passt wirklich nicht in jede Ritze — hat in einer Schublade herumgeasselt, bis sie wiedergefunden und nun auf den Namen Bathynomus tuebingoborikensis hört.

Vielen Dank und bis nächste Woche!
KI-Disclaimer: Beim Schreiben dieses Newsletters ist kein KI-Chatbot zum Einsatz gekommen.
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Ideen, Informationen und niedliche Tierlinks nehme ich unter hallo@ohje-internet.de entgegen.