Hallo! Eine weitere Woche Internet liegt hinter uns. Ich hatte gestern die Gelegenheit, online und offline zu verbinden und mich statt Wahlen mal wieder mit Walen zu beschäftigen. Ihr ahnt es: Timmy. Ich habe mir „TIMMY – Die Hope stirbt zuletzt“ am Ernst-Deutsch-Theater in Hamburg angesehen und danach mit Regisseur Alexander Klessinger und Marcus Senftleben von der Ausstiegsberatung Kurswechsel über die rechte Vereinnahmung des Wals, rechtsextreme Online-Strategien und Verschwörungserzählungen diskutiert.
Das Stück ist nicht unbedingt für Timmy-Fans. Fündig wird, wer Lust auf folgende Dinge hat: einen satirischen und kritischen Rückblick auf den kollektiven Timmy-Ausnahmezustand, Erinnerungen an den Soundtrack zum Wal und Wortspiele aller Art. Die Vorstellungen sind regelmäßig ausverkauft, für zwei Termine im Dezember gibt es aber noch Karten.
Außerdem geht es diese Woche um: RFK Jr. und KI im Gesundheitswesen, eine Pro-Datencenter-Party und einen aufgeflogenen KI-Fake-Journalisten.
Beste Grüße aus Hamburg!
Thema der Woche
Kommt ein Verschwörungsideologe ins Gesundheitsministerium… und kriegt den Job
Diese Woche fand der zweite “Make America Healthy Again”-Gipfel statt. Viele Medien wurden nicht zur Berichterstattung zugelassen und mussten sich mit einem Livestream begnügen. Kein Platz für kritische Fragen also. So weit, so Trump-Regierung.
Beim Abschluss der Veranstaltung, einem Plausch (Youtube) zwischen Vizepräsident Vance und RFK Jr. (Trumps Gesundheitsminister, einseitiger Nina-Warken-Brieffreund, Querdenken-Gast und stolzer Besitzer eines Gefrierschranks voller Roadkill und eines möglichen Hirnwurms), ging es auch um die Rolle von KI im Gesundheitswesen.
Die Lowlights: RFK Jr. meint, KI würde von “medizinischer Tyrannei” befreien. Als Beispiele nennt er hier Amtsträger, die Masken oder Social Distancing empfehlen und dann von KI “korrigiert” werden könnten. Außerdem geht es um Sam Altman, der ihm gesagt habe, dass es einem ärztlichen Behandlungsfehler gleichkäme, eine Diagnose zu stellen oder ein Rezept auszustellen, ohne vorher eine KI genutzt zu haben. “It can give you a second opinion that is much better informed than any doctor in the country.”
Den aktuellen Masernausbruch in 47 Bundesstaaten der USA hat die KI nicht im Griff. Es könnte vielmehr an der Handhabung durch Kennedy liegen, der erst kürzlich auf einer Konferenz der von ihm gegründeten Impfgegner-Organisation Children’s Health Defense sprach und den Anwesenden versicherte, dass sie einen Freund im Weißen Haus hätten. Stattdessen streitet man sich über die Zählung der Todesfälle. Der Ausbruch ist der größte seit 1991.
Gutes Internet, schlechtes Internet
Geographie-Training
Bei Maptap müssen Orte auf einer Karte erraten (gewusst!) werden. Guter Zeitvertreib!
Rechtsextremer Rap ist kein Geschäftsmodell
Es gibt sie, die guten Nachrichten: NDS, oder Neuer Deutscher Standard, ein Label für internetaffinen Rechtsrap mit Sitz in Bautzen, ist pleite (€).
„Grok, wie wäre es, wenn ich Maduro entführe?“
Das Time Magazine berichtet, dass Elon Musk im Dezember 2025 im Weißen Haus zu Besuch war und Trump bei der Gelegenheit mehrere Stunden mit dem X-Chatbot Grok verbrachte. Er soll unter anderem gefragt haben, wie die Venezolaner auf eine mögliche Entführung von Nicolás Maduro reagieren würden. Die Antwort: Vermutlich würden sie den Sturz des Diktators feiern. Tatsächlich gab es freudige Reaktionen auf den Straßen von Venezuela und: „Trump, according to officials, came away thinking Grok was ingenious.“ Gov Grok wurde in diesem Jahr auch im Krieg gegen den Iran eingesetzt.
Social Media ist schlecht für die Demokratie
Eine Umfrage von Pew Research in 37 Ländern zeigt, dass die Menschen in den meisten Ländern Social Media zunehmend für eine Gefahr für die Demokratie halten. Auch in Deutschland stimmte mehr als die Hälfte dieser Einschätzung zu.
Yay, Datenzentren(!?!?!)
Es ist ja gut, nicht nur gegen Dinge zu sein, sondern auch mal für Dinge. Aber eine Party für Datenzentren, die kürzlich in Washington stattfand, hat ungefähr das Publikum angezogen, das man sich in der klischeehaftesten Vorstellung eben so ausmalen kann. Jonas Du, einer der Organisatoren spricht im Zusammenhang mit der — wohlgemerkt sowohl von Demokraten als auch Republikanern unterstützten — Bewegung gegen Datenzentren von einer “Psychose” und einem “data center derangement syndrome” und das reicht eigentlich schon. Es überrascht dann auch kaum, dass de nächste Verbindung zum frisch gekrönten Axel-Springer-Preisträger Peter Thiel nicht weit ist. Du arbeitet für Pirate Wires, ein Tech-Bro-Nachrichtenportal, das Funding von Thiel und dessen Founders Fund erhalten hat. Auf der Party gab es auch Proteste von Kritikern.
KI-Kolumnist aufgeflogen
Daniel Robson existiert nicht. Unter diesem Namen wurden in den vergangenen zwei Jahren viele Artikel in verschiedenen kanadischen Medien veröffentlicht. Nach Recherchen einer türkischen Zeitung sind diese Texte, viele davon mit sehr positiven Bezügen auf die marokkanische Regierung und Angriffen auf marokkanische Dissidenten, nun weitestgehend offline. Ich würde fast darauf wetten wollen, dass das Bild, das für Robson verwendet wurde, auf thispersondoesnotexist.com generiert wurde. Die Seite wird häufig genutzt, um Bilder für Face-Profile zu generieren. Hinweise auf diesen Ursprung sind, dass auf diesen BIldern keinerlei Details im Hintergrund zu sehen sind (entweder alles ist verschwommen oder weitestgehend einfarbig). Und wenn man die Bilder, die die Seite generiert, übereinander legt, ist die Position der Augen immer gleich.

Keine Werbung für Musk-Doku
Vor zwei Wochen ging es in diesem Newsletter um eine neue vierstündige Dokumentation über Elon Musk. In dieser Woche wurde bekannt, dass alle großen Social-Media-Plattformen zunächst Werbeanzeigen für den Film ablehnten. Der Grund: Politische Inhalte (darum ging es letzte Woche schon: Da hatte ein Theater aus Barcelona Probleme, ein feministisches Theaterstück zu bewerben). Youtube und Meta haben inzwischen zurückgerudert. Das dürfte auch an der internationalen Berichterstattung gelegen haben. Zuvor hatte bereits Universal, das den Film international vertreibt, einen Rückzugsversuch unternommen und dann — auch wegen des darauf folgenden öffentlichen Drucks — den Rückzug vom Rückzug vollführt.
Tier der Woche
Opernsängerlemuren. Muss ich dazu mehr sagen? Natürlich. Denn: Der Indri, eine Lemurenart aus Madagaskar, ist für seinen Gesang bekannt. Klingt ein bisschen wie Husky trifft Warntag. Eine neue Studie zeigt, dass die Gesangstechnik mit der von ausgebildeten Sopranistinnen vergleichbar ist.

Außerdem ein Update zur letzten Woche: Die Fat Bear Week ist beendet und gewonnen hat nicht Chonk sondern Backpack. Ich hoffe ihr habt meine falsche Prognose nicht für Wetteinsätze benutzt!
Bis nächste Woche!
KI-Disclaimer: Beim Schreiben dieses Newsletters ist kein KI-Chatbot zum Einsatz gekommen.
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Ideen, Informationen und niedliche Tierlinks nehme ich unter hallo@ohje-internet.de entgegen.