Das Update #8: AfD-Leaks, Döpfners Tiktok-Ambitionen, KI-Autoren

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Moin! Diese Woche ist Internetweltuntergang (umgangssprachlich: Cyberkalypse) und wir sind weiter mittendrin. Die schwerwiegenden PHP-Sicherheitslücken, die diese Woche bekannt wurden, haben nicht nur dafür gesorgt, dass das halbe Internet vorsorglich abgeschaltet wurde. Das große Patchen dauert an. Derweil gibt es Millionen versuchter Angriffe auf bestehende, noch nicht geschlossene Sicherheitslücken. Außerdem sollen Angreifer schon vor dem öffentlichen Bekanntwerden in dieser Woche Angriffe gestartet haben, weil Informationen über die Sicherheitslücken geleakt wurden.

Von Normalität kann diesbezüglich also bisher keine Rede sein, aber wir sind ja noch hier und schauen uns eine weitere wilde Woche an: Es geht um die die AfD-Mail-Leaks, Matthias Döpfners Tiktok-Ambitionen und eine knapp vierjährige Suche nach dem Ursprung eines Fotos.

Thema der Woche: AfD-Hack und -Hickhack

Daran kam man in dieser Woche nicht vorbei: Unbekannte haben Daten aus mehreren E-Mail-Konten der AfD inklusive hunderttausender Mails aus mehreren Jahren, Anhängen und allem drum und dran veröffentlicht. Seitdem wird gedownloadet, gefiltert, gesucht, gefunden, berichtet und leider auch erfunden.

Die Angreifer haben unter anderem eine Wahlkampf-Seite der Partei genutzt, um sich Zugang zu verschaffen. Die Hacker haben nach eigenen Angaben Zugriff auf etwa 300 Postfächer gehabt, der veröffentlichte Datensatz umfasst Daten von 10 Konten. Lilith Wittmann und Hoodinformatik berichten ausführlich über den Angriff und die Hintergründe.

Die Mails umfassen nicht nur allerlei Interna der AfD, wie Kontoauszüge oder Dokumente zu Parteiausschlussverfahren und Ausschlussanträgen, etwa zu Björn Höcke, Matthias Helferich und einem AfDler, der 2025 versucht haben soll, an einem Wahlkampfstand eine Hakenkreuzflagge zu verkaufen . Enthalten sind auch Daten von Menschen, die mit der Partei nichts zu tun haben. Dazu gehören unter anderem auch Adressdaten von über 10.000 Erstwählern (€), die aus Abfragen aus dem Melderegister stammen.

Leider war dieser Hack auch ein Lehrstück in Sachen Verifikation. In sozialen Medien kursierten nach der Veröffentlichung der Hacker auch Screenshots von gefälschten Mails, in denen den vermeintlichen Absendern diverse menschen- und demokratiefeindliche Äußerungen zugeschrieben wurden. Verbreitet wurden sie auch von Influencern und Politikern mehrerer Parteien. In der AfD gibt es Mutmaßungen (€), dass die Fakes aus den eigenen Reihen lanciert worden sein könnten.

Verifizierte Menschenverachtung gibt es bei der AfD reichlich, nachzulesen unter anderem in der AfD-Datenbank von FragDenStaat.

Gutes Internet, schlechtes Internet

Bitte werfen sie eine Münze ein!
Es ist ganz sicher eine Woche, in der eine persönliche Glücksmelodie nicht schaden kann. Danke, Hape Kerkeling, für diesen zeitlosen Klassiker (Youtube).

Gefunden!
Das Wetter ist herbstig, deshalb folgt nun ein Tipp für Sofa-Sonntage: Ein Foto von Julia und ihrer Mutter. Und die Frage, wo das Foto aufgenommen wurde. In knapp eineinhalb Stunden erzählt der Geoguessr-Profi Trevor Rainbolt, wie er und tausende andere nach dem Ort suchten, an dem das Foto aufgenommen wurde. Knapp vier Jahre hat das gedauert. Arte hat Rainbolt vor einiger Zeit porträtiert.

Matthias Döpfner will deinen Tiktok-Feed
Springer-Chef und Tech-Bro-Fanboy Matthias Döpfner arbeitet beständig daran, den Einflussbereich des Springer-Konzerns auszubauen. Im Januar war er nach Recherchen der Financial Times (€) er zum Mittag mit dem US-Botschafter in Frankreich, Charles Kushner, verabredet. Ja, das ist der Vater von Jared Kushner, Trumps Schwiegersohn. Nein, das ist keine Vetternwirtschaft, sondern diplomatisches Talent. Dabei hat Döpfner jedenfalls die Idee vorgetragen, Springer könne Teile von Tiktoks Geschäften in Europa übernehmen. Das ist nicht der erste Vorstoß dieser Art, wie auch die FT berichtet: 2022 hat Döpfner sich in Nachrichten an Elon Musk als Twitter-Chef angeboten, sollte Musk die Plattform übernehmen. Damals schrieb er: “We run it for you. And establish a true platform of free speech. Would be a real contribution to democracy.” Der Demokratie-Pitch hat Musk offensichtlich nicht überzeugt.

Lobby für Viren und Krankheiten
Der Guardian hat sich einen Auftritt von Barbara O’Neill bei einem “Wellness”-Event im englischen Cheshire angesehen. Die Australierin – 3,6 Millionen Follower auf Instagram, 1,7 Millionen auf Facebook – ist ein gutes Beispiel dafür, dass ein sicheres Auftreten und ein paar Diagramme auf einem Whiteboard noch kein Zeichen für Vertrauenswürfigkeit sind. Auf ihren Kanälen hat sie vor allem Ablehnung für evidenzbasierte Medizin im Angebot. O’Neill verbreitet Desinformation über Impfungen, Antibiotika und wissenschaftlich geprüfte Krebsbehandlungen. Richtige Ärzte warnen, dass ihre “Gesundheitstipps” sogar lebensgefährlich sein könnten. Auf der Veranstaltung rät sie einer Frau mit einer Tumordiagnose zur Behandlung mit Rizinusöl. Diese Behandlung empfiehlt sie auch für Endometriose und Gallensteine.

Ermittlungen gegen AfD-nahen Doxer
Die Landeszentralstelle zur Bekämpfung von Terrorismus und Extremismus (ZeT) in Rheinland-Pfalz ermittelt in mindestens 18 Fällen gegen den X-Poweruser Patrick Kolek, alias Wuppi. Auf der Musk-Plattform fällt er vor allem durch Rassismus und Doxing auf, also die Veröffentlichung personenbezogener privater Daten wie Anschrift, Telefonnumer, etc. Gemeinhin folgen auf solche Veröffentlichungen immer wieder Einschüchterungen, Bedrohungen oder sogar Gewalt, die eher nicht vom Doxer selbst ausgeht, aber durchaus in Kauf genommen wird. Eine klassische Strategie, die beim Neonazi Christian Worch noch “Anti-Antifa” hieß und in der rechten Szene längst zum Massenphänomen geworden ist.

Anthropic macht Vorschläge zur KI-Regulierung
In den USA hat Anthropic Vorschläge gemacht, wie KI-Regulierung aussehen könnte. Die würden auch die Möglichkeit vorsehen, dass die Regierung die Veröffentlichung oder Nutzung eines neuen Modells untersagen kann: Wenn durch das Modell der Tod oder schwere Verletzungen von mindestens 50 Menschen oder Schäden in Höhe von einer Milliarde US-Dollar zu erwarten wären, etwa durch eine KI-erzeugte Biowaffe, ein Modell, dass Kontrollmechanismen umgeht oder einen Cyberangriff.

Meta muss blechen
Cambridge Analytica. Das war vor der Pandemie, vor der Vollinvasion in der Ukraine, vor Musks Übernahme von Twitter. Abgeschlossen ist dieses Kapitel um Datensammlung und Manipulation bis heute nicht: Gerade wurde Meta in den USA zur Zahlung von 25 Milliarden Dollar verurteilt, weil das Unternehmen User über seinen Umgang mit Daten getäuscht hat. Außerdem hat sich der Konzern breitschlagen lassen, für Mark Zuckerberg in die Bresche zu springen – der hat kürzlich gedroht, dass er wegen einer möglichen Milliardärssteuer aus Kalifornien wegziehen will. Zuckerbergs Vermögen soll sich auf mehr als 200 Milliarden Dollar belaufen. Um die schmerzlichen Verluste auszugleichen, bekommt er dann einfach mehr Anteile.

Neues aus dem Sloppiverse

Kochen mit KI-Schrott
Es reicht nicht, dass ich auf Rezepte-Websites aus Suchmaschinenoptimierungsgründen 50 Meter scrollen muss, um endlich beim eigentlichen Rezept zu landen. Jetzt gibt’s es auch noch tausende KI-generierte Kochblogs, die für ihren Schrott unter anderem auch noch KI-generierte Bilder der Schauspielerin Emily Blunt nutzen. Immerhin beschert uns das Phänomen den Begriff “Frankenstein-Rezepte”, weil diese Seiten oft völlig absurde Zusammensetzungen aus Zutaten und Kochschritten enthalten.

Ein KI-generiertes Bild, das wie die Schauspielerin Emily Blunt aussieht. Sie blickt eher mürrisch, steht in der Küche und rührt in einer Pfanne.
Sieht gar nicht so begeistert aus: KI-Emily-Blunt aka “Elena”

NICHT IN DER BIBLIOTHEK
Die Kinderbuchautorin Judith Weber berichtet auf Instagram über ein Werbeposter für eine Lesung in einer Bibliothek, auf der eine KI-Judith-Weber abgebildet ist, die der echten Judith Weber nicht mal halbwegs zum verwechseln ähnlich sieht. Das Plakat zeigt außerdem ein falsches Buchcover. IN EINER BIBLIOTHEK.

Tier der Woche

Das Tier der Woche heißt Horst. Der Uhu war nach einem Aufenthalt auf einer Mülldeponie äußerst verklebt und musste reichlich Bäder über sich ergehen lassen.

Eine Zeichnung eines klatschnassen Uhus unter der Dusche
Moderat begeistert: Horst

Horst hat sich diese Woche ein SEHR enges Rennen geliefert mit Schlawinerschwein Olga, die einen Flammkuchen – verpackt und ungebacken noch dazu – geklaut hat und meinem neuen Lieblings-Youtubekanal, der stundenlang Aufnahmen von Katzen aus Istanbul zeigt (und manchmal auch Hunde oder Krähen).

KI-Disclaimer: Beim Schreiben dieses Newsletters ist kein KI-Chatbot zum Einsatz gekommen.

Ihr könnt meinen Newsletter auf Steady abonnieren und mich einmalig über Ko-Fi oder langfristig über Ko-Fi oder Steady unterstützen. Das würde mich ganz außerordentlich freuen!

Ideen, Informationen und niedliche Tierlinks nehme ich unter hallo@ohje-internet.de entgegen.

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